Hörstörungen / Therapie mit einem CI

Wie funktioniert das Hören und welche Funktion hat es?

„Klein aber oho!“ – Das Ohr hilft uns bei vielen Dingen im Alltag.
Es warnt uns Tag und Nacht vor Gefahren (z.B. wenn ein Auto kommt, ein Krankenwagen vorbei fährt, Feuermelder Alarm schlagen, oder nachts ein Fenster klirrt). Es gibt uns aber auch die Möglichkeit Sprache zu verstehen, uns somit über Alltagsthemen zu informieren und mit anderen Menschen zu kommunizieren. Nur so kann man soziale Kontakte pflegen und sich über emotionale Themen austauschen.
Ein gutes Gehör ist nicht nur Voraussetzung für das Wohlbefinden und die aktive Teilnahme in der Alltagskommunikation, es alarmiert uns auch bei vielen Gefahren und bildet eine wichtige Voraussetzung für den Spracherwerb. Gesprochene Wörter und Sätze haben in jeder Sprache einen bestimmten Rhythmus. Je genauer ein Kind die gesprochene Sprache wahrnimmt, desto besser wird es Sprache verstehen und selbst sprechen.

Doch wie funktioniert das Hören eigentlich?

Der Schall wird durch die Ohrmuschel aufgenommen und über den äußeren Gehörgang zum Trommelfell weitergeleitet. Das Trommelfell ist eine häutige Membran, welche durch den Schall in Schwingung versetzt wird. Die Vibrationen werden über die Gehörknöchelchenkette (Hammer, Amboss, Steigbügel) bis zum Innenohr weitergeleitet. Die im Innenohr befindliche Flüssigkeit nimmt die Bewegung auf.
Die Wellenbewegungen werden von ca. 35000 Sinneszellen mit feinen Härchen registriert, die sich in der Innenohr-Schnecke (=Cochlea) befinden. Es erfolgt eine Umwandlung von Schall in bioelektrische Impulse. Diese elektrischen Signale werden über den Hörnerv an das Gehirn zur Auswertung weitergeleitet. Das Gehirn entschlüsselt die Signale und „übersetzt“ die Impulse in Klänge, Geräusche oder in Sprache, welche wir hören.

Welche Hörstörungen gibt es und wodurch entsteht eine Hörstörung?

Man unterscheidet je nach Lokalisation zwei Arten von Hörstörungen.

a) Schallleitungs-Schwerhörigkeit
Hierbei liegt die Störung im Außen- oder Mittelohr.
Mögliche Ursachen können eine Mittelohrentzündung, Gehörgangsentzündung, Gehörgangsfremdkörper, ein Paukenerguss, Otosklerose oder ein Cerumen-Pfropfen sein.

b) Schallempfindungs-Schwerhörigkeit

Bei einer Schallempfindungs-Schwerhörigkeit liegt die Störung im Innenohr.
Dies wird z.B. durch eine Lärmschwerhörigkeit, einen Hörsturz, ein Knalltrauma, akute Verletzungen (Schädelbruch/Schädeltrauma), Morbus Menière oder auch durch ein Akustikusneurinom hervorgerufen.

In einzelnen Fällen kann auch eine Kombination einer Schallleitungs-Schwerhörigkeit und einer Schallempfindungs-Schwerhörigkeit auftreten.

Eine Hörstörung hat Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung des Kindes und das Zusammenleben in der Familie. In dieser Situation ist es gut zu wissen, dass es eine Möglichkeit gibt, dem Kind „die Welt des Hörens“ und somit auch der Sprache zu eröffnen. Wir beraten Sie gerne hinsichtlich Hörstörungen und die Folgen für die Sprachentwicklung.

Hören und Therapie mit einem Cochlea Implantat (CI)

Was ist ein CI?
Ein Cochlea Implantat wird operativ eingesetzt und bietet Gehörlosen bzw. hochgradig schwerhörigen Menschen einen Weg das defekte Innenohr funktionell zu ersetzen.
Es wird damit eine Möglichkeit geschaffen, Umweltgeräusche sowie die eigene Stimme und die Stimmen anderer Personen wahrzunehmen, Sprache zu verstehen und eine gute Sprachentwicklung zu gewährleisten. Das Ablesen von den Lippen wird durch das Hören ebenfalls verbessert.
Auch mit einem CI kann die „normale Hörfähigkeit“ jedoch nicht immer erreicht werden. Die Klangqualität unterscheidet sich, vor allem direkt nach der OP, stark von der eines „Normalhörenden“. Betroffene beschreiben den Stimmklang der Gesprächspartner häufig als wäre er weit weg, in einem hohlen Raum oder klänge wie Mickey Maus. Dies verändert sich jedoch im Laufe der Zeit unter dem Einfluss von Hörtraining.

Das Alter des Kindes, der Zeitpunkt des Einsetzens eines Cochlea Implantates und die Dauer des „nicht-Hörens“ haben großen Einfluss auf das Sprachverständnis, den Wortschatz, die Grammatik sowie auf die Aussprache des Kindes (Sprachentwicklungsstörung).

Wer bekommt ein CI?

  • gehörlos geborene Kinder
  • Kinder und Erwachsene, die durch Erkrankungen o.Ä. ihr Gehör verloren haben z.B. nach Meningitis
  • Kinder und Erwachsene, die trotz optimaler Hörgeräteversorgung Sprache gar nicht oder nur sehr schlecht verstehen können

Welche Untersuchungen sind im Voraus möglich?
Bevor ein CI eingesetzt wird, sind zahlreiche Voruntersuchungen von Spezialisten notwendig, um zu prüfen, ob alle Voraussetzungen für den Erfolg eines CI gegeben sind.

Bei folgenden Institutionen erhalten Sie alle notwendigen Informationen:

  • Logopäde: Wir beraten Sie gerne, hinsichtlich der Sprachentwicklung / des Spracherwerbs bei Hörstörungen
  • Hals-Nasen-Ohren Arzt
  • Pädaudiologe (=Facharzt für hörgeschädigte Kinder)
  • Sonderpädagoge
  • Psychologe

Welche Maßnahmen müssen nach der OP getroffen werden?
Die Operation selbst wird unter einer Vollnarkose im Krankenhaus durchgeführt, mit anschließendem stationärem Aufenthalt (ca. 8 Tage). Anschließend beginnt die Heilungsphase. Der Körper benötigt ca. 4 – 6 Wochen, um sich an das Implantat zu gewöhnen. Aus diesem Grund werden erst innerhalb dieses Zeitraumes die ersten Hörerfahrungen gemacht. Eine Voraussetzung dafür ist die Programmierung des Sprachprozessors. Jedes CI wird nach der Operation von einer HNO Klinik oder einem CI Zentrum individuell programmiert und ggf. (vor allem zu Beginn häufiger) justiert, sodass möglichst alle Töne und Geräusche wahrgenommen werden können.
Anschließend finden Rehabilitationsmaßnahmen statt, welche Sie in Ihrem CI Zentrum erhalten. Eine regelmäßige ambulante Betreuung erhalten Sie bei uns. Gerne nehmen wir Kontakt mit Ihrem CI Zentrum auf, um die Therapieinhalte individuell abzustimmen und Sie somit optimal in der Hör- und Sprachentwicklung zu fördern.

Was ist der Unterschied zwischen einem Hörgerät und einem CI?
HörgerätCI
Das Hörgerät verstärkt den SchallDas CI umgeht die geschädigten Haarsinneszellen in der Hörschnecke und stimuliert den Hörnerv direkt
Es werden funktionierende Haarsinneszellen benötigtWandelt den Schall in elektrische Impulse um
Ein Hörgerät wird äußerlich getragen. Die Anpassung erfolgt meist ohne OPEs ist eine Operation notwendig
Wird bis zur hochgradigen Schwerhörigkeit eingesetztDas Implantat wird erst ab hochgradiger Schwerhörigkeit eingesetzt
Therapie / Beratung

Basierend auf einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen sowie auf standardisierten und informellen Diagnostikverfahren beraten wir Sie hinsichtlich Therapiebedarf und -ansätzen und sprechen unsere Empfehlung zum therapeutischen Vorgehen aus.

Des Weiteren geben wir Ihnen wichtige Tipps mit auf den Weg, mit welchen Möglichkeiten Sie den Therapieverlauf positiv beeinflussen können.
Jede Therapie wird individuell an die Wünsche und Ziele des Patienten orientiert gestaltet.

Wir unterliegen – wie alle anderen Heilberufe – einer strengen Schweigepflicht.
Mit Ihrem Einverständnis arbeiten wir mit Ärzten, Kindergärten, Schulen, Pflegeheimen und Angehörigen zusammen. Ein ständiger Austausch ist Voraussetzung für eine gute Behandlung und schnelle Erfolge.

Auch Fallbesprechungen innerhalb unserer wöchentlichen Teamsitzung und fachliche Weiterbildungen im Rahmen von zahlreichen Fortbildungen garantieren eine hohe Qualität unserer Arbeit.