Lippen-Kiefer-Gaumensegel-Fehlbildung (LKGS)

Was ist eine Lippen-Kiefer-Gaumensegel-Fehlbildung?

Eine Lippen-Kiefer-Gaumensegel-Fehlbildung (im Folgenden LKGS-Fehlbildungen genannt) entsteht zwischen der 5. und 12. Schwangerschaftswoche durch einen unvollständigen Verschluss von Teilen des Gesichts. Es gibt bis zu 100 verschiedene Formen der Fehlbildung im Bereich der Lippen, des Oberkiefers und des weichen Gaumens. Die Spalten können auf einer Seite (meist links) oder beidseitig auftreten. Jede Spaltform wird von Fehlbildungen an Gewebe, Muskeln oder Knochen begleitet. Die Minimalform ist die Lippenkerbe oder ein zweigeteiltes Gaumenzäpfchen (Uvula bifida).

Wie kann eine Spalte aussehen?

Bei Fehlbildung der Lippe ist die Oberlippe nicht vereint. Der Ringmuskel, welcher um das Lippenrot rings um die Lippen führt, ist teilweise oder vollständig fehlgebildet. Bei einer totalen Lippenspalte setzt dieser Muskel an den Nasenflügeln an.

Bei Fehlbildungen, welche den Gaumen und/oder den Kiefer betreffen, bedeutet dies auch eine Fehlbildung der äußeren sowie inneren Nase. Der betroffene Nasenflügel ist zur Seite hin abgeflacht, der Nasenboden ist an dieser Stelle unvollständig ausgebildet oder gar nicht vorhanden. Die Nasenscheidewand ist verformt, kann den Nasengang verengen und so die Nasenatmung erschweren.

Welche Auswirkungen hat eine LKGS?

Bei einer ausgeprägten LKGS sind die Primärfunktionen (Atmen, Schlucken, Kauen, Saugen) meist schon ab der Geburt beeinträchtigt.

  • Myofunktionelle Störung: Dauerhaft geöffnete Mundhaltung (kein Mundschluss möglich), die Zunge kann dadurch nicht in der Ruhestellung sein und drückt beim Schlucken gegen oder zwischen die Zähne.
  • Rhinophonie (trifft nur zu, wenn das Gaumensegel betroffen ist):
 Das Gaumensegel hat die Aufgabe, den Mund- und Rachenraum vom Nasenraum abzuschließen und so zu verhindern, dass die Luft beim Sprechen durch die Nase entweicht. 
Ist dies nicht der Fall, kommt es zu einer Veränderung des Stimmklangs und der Artikulation.
  • Austritt von Nahrung / Flüssigkeit durch die Nase (trifft ebenfalls nur zu, wenn das Gaumensegel betroffen ist):
 Das Gaumensegel schließt den Mund- und Rachenraum auch beim Schlucken vom Nasenraum ab. Ist dies nicht gegeben, kann die Nahrung  / Flüssigkeit aus der Nase austreten. Des Weiteren kann kein Unterdruck im Mundraum hergestellt werden, wodurch die Zunge nicht ihren üblichen Bewegungsvorgang ausführen kann und somit gegen die Zähne drückt. Dies führt häufig zu Zahnfehlstellungen.
  • Hörstörungen: Bei Kindern mit LKGS-Fehlbildungen besteht ein erhöhtes Risiko an Hörstörungen zu erkranken. 
Während dem Schlucken wird das Mittelohr über die Tube (Verbindung zwischen Nasenrachen und Mittelohr) belüftet. Bei Kindern mit einer LKGS-Fehlbildung bleibt die Tube aufgrund des fehlenden Verschlusses des Gaumensegels zum Nasenrachen jedoch geschlossen und das Mittelohr kann somit nicht belüftet werden. Dadurch entsteht Flüssigkeit im Ohr, die Gehörknöchelchen können die Schallwellen nur noch schwer oder auch gar nicht mehr übertragen, sodass eine Mittelohrentzündung entstehen kann. Befindet sich diese Flüssigkeit über Monate hinweg im Mittelohr, können keine Hörimpulse mehr an das Gehirn weitergeleitet werden und es entsteht eine Schallleitungsschwerhörigkeit. Hierdurch kann eine Sprachentwicklungsstörung entstehen.
  • Wachstumsstörungen des Oberkiefers: Der Oberkiefer kann nicht richtig in die Länge und Breite wachsen.
  • Stimmstörungen: Heiserkeit, Knötchen, zu starke Phonationsatmung
  • psychische Faktoren: Durch die sichtbaren Fehlbildungen im Gesicht kann es zu „Hänseleien“ kommen. Hinzu kommen häufige Therapie- und Klinikaufenthalte, welche immer wieder zu Einschnitten im „normalen“ Leben führen.
Wodurch entsteht eine LKGS?

Es gibt noch keine wissenschaftlich nachgewiesenen Ursachen. Vermutet werden folgende Faktoren:

  • genetische Faktoren (kann vererbt werden)
  • umweltbedingte Faktoren der Mutter, welche die Embryonalentwicklung beeinflussen, wie z.B. Stress, Sauerstoffmangel, Mangelernährung, Einnahme von Genussmitteln (Rauchen / Alkohol) und bestimmten Medikamenten oder Krankheit der Mutter während der Schwangerschaft (Röteln)
Therapie / Beratung

Basierend auf einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen sowie auf standardisierten und informellen Diagnostikverfahren beraten wir Sie hinsichtlich Therapiebedarf und -ansätzen und sprechen unsere Empfehlung zum therapeutischen Vorgehen aus.

Des Weiteren geben wir Ihnen wichtige Tipps mit auf den Weg, mit welchen Möglichkeiten Sie den Therapieverlauf positiv beeinflussen können.
Jede Therapie wird individuell an die Wünsche und Ziele des Patienten orientiert gestaltet.

Wir unterliegen – wie alle anderen Heilberufe – einer strengen Schweigepflicht.
Mit Ihrem Einverständnis arbeiten wir mit Ärzten, Kindergärten, Schulen, Pflegeheimen und Angehörigen zusammen. Ein ständiger Austausch ist Voraussetzung für eine gute Behandlung und schnelle Erfolge.

Auch Fallbesprechungen innerhalb unserer wöchentlichen Teamsitzung und fachliche Weiterbildungen im Rahmen von zahlreichen Fortbildungen garantieren eine hohe Qualität unserer Arbeit.