Mutismus

Was ist Mutismus?

Unter Mutismus versteht man eine Sprachhemmung oder das Schweigen nach vollzogener Sprachentwicklung. Die Sprach-, Sprech- und Hörfähigkeit ist dabei nicht beeinträchtigt.

Man unterscheidet dabei zwei Arten:
Beim selektiven bzw. elektiven Mutismus tritt eine teilweise Hemmung der Lautsprache gegenüber einem unbewusst ausgewählten Personenkreis ein. Eine Situation bestimmt also wann und ob der Betroffene spricht.
Beim totalen Mutismus fehlen jegliche Lautäußerungen (Husten, Niesen, Räuspern, Atemgeräusche).

Das Schweigen wird häufig bei Eintritt in den Kindergarten erstmals offensichtlich. Es kann sich aber auch erst später z.B. bei Schuleintritt, in der Pubertät oder im Erwachsenenalter äußern.
Ein generell schüchternes Kind, das jedoch auf Ansprache stets ein Antwortverhalten zeigt, wird nicht zu den mutistischen Formen gezählt.

Häufig wird Mutismus auch mit Autismus verwechselt. Der wesentliche Unterschied ist jedoch, dass sich Autisten emotional eher unterkühlt zeigen, sich gleich bleibend zurückgezogen und kontaktarm verhalten und aufgrund von neurolinguistischen und neuromotorischen Störungen häufig nur eine auffällig abweichende Sprache entwickeln.

Welche Symptome zeigen mutistische Kinder?
  • Schweigen, oder teilweises Schweigen in verschiedenen Situationen
  • Fehlen jeglicher Lautäußerungen (kein Lachen, kein Weinen, kein Räuspern, kein Niesen, kein Husten, …)
  • maskenhafter, ernster, gleichgültiger Gesichtsausdruck
  • kein oder nur ein „hindurchschauender“ Blickkontakt
  • auffällige Körperspannung (kann auf den ersten Blick wie eine Lähmung aussehen)
  • in unbewusst ausgewählten Personenkreisen kann es zu einem ungehemmten Redefluss, einer entspannten Gestik, Mimik und Körperspannung kommen
  • in der Regel geht der Mutismus auch mit einem sozialen Rückzug einher
  • häufig übertriebene Angst vor vermeintlichen Gefahren (z.B. rutschen, klettern, …)
  • häufig verspäteter Beginn der Körperhygiene
  • übersensibilisierte Angst vor Fehlern (z.B. etwas falsches zu sagen oder zu machen)
Wo liegen die Ursachen für das Schweigen?

Um den Ursprung des Schweigens ausfindig zu machen, bedarf es in der Regel einer komplexen diagnostischen Abklärung. Die Ursachen können sowohl im psychologischen als auch im organischen Bereich liegen.

  • Ursachen aus dem psychologischen Bereich können z.B. Bewältigungsstrategien eines vorliegenden seelischen Problems oder Konfliktes sein (z.B. Traumata, Verlustängste, …). Auch Umweltereignisse, die für das Kind belastend interpretiert werden (z.B. Kindergarteneintritt, Schulanfang, …) können als Auslöser in Frage kommen. Das Schweigen kann ebenfalls aufgrund von angelernten Reaktionsmustern auftreten. Es wird vor allem dann wiederholt, wenn durch das Nichtsprechen vermehrt positiv erlebte Konsequenzen, wie z.B. verstärkte Aufmerksamkeit bzw. Vermeidung von Pflichten eintreten. Sozio-ökonomische Bedingungsfaktoren, wie z.B. sprachliche Einwanderungsprobleme, Umstellungsschwierigkeiten zwischen stark Dialekt sprechenden Familienangehörigen und Hochdeutsch oder allgemein soziale Kontaktarmut der Familie kann ebenfalls zu einem Schweigen führen.
  • Als organische Ursachen können sowohl genetische Dispositionen eine Rolle spielen, als auch psychiatrische Grunderkrankungen (wie z.B. Schizophrenie, endogene Depressionen, akute Erkrankungen des Gehirns). Häufig tritt Mutismus auch gemeinsam mit Entwicklungsstörungen (sprachlichen, intellektuellen oder motorischen Defiziten) auf.
Was kann ich tun, wenn mein Kind nicht spricht?

Um eine eindeutige Diagnose zu stellen, sind zahlreiche Untersuchungen notwendig, u. a.:

  • Neurologische Untersuchung (zum Ausschluss einiger Krankheiten)
  • HNO-Ärztliche Untersuchung (um Hörstörungen auszuschließen)
  • Psychologisches Gutachten
  • Logopädische Sprachdiagnostik (mutistische Kinder zeigen häufig Sprachauffälligkeiten)
Therapie / Beratung

Basierend auf einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen sowie auf standardisierten und informellen Diagnostikverfahren beraten wir Sie hinsichtlich Therapiebedarf und -ansätzen und sprechen unsere Empfehlung zum therapeutischen Vorgehen aus.

Des Weiteren geben wir Ihnen wichtige Tipps mit auf den Weg, mit welchen Möglichkeiten Sie den Therapieverlauf positiv beeinflussen können.
Jede Therapie wird individuell an die Wünsche und Ziele des Patienten orientiert gestaltet.

Wir unterliegen – wie alle anderen Heilberufe – einer strengen Schweigepflicht.
Mit Ihrem Einverständnis arbeiten wir mit Ärzten, Kindergärten, Schulen, Pflegeheimen und Angehörigen zusammen. Ein ständiger Austausch ist Voraussetzung für eine gute Behandlung und schnelle Erfolge.

Auch Fallbesprechungen innerhalb unserer wöchentlichen Teamsitzung und fachliche Weiterbildungen im Rahmen von zahlreichen Fortbildungen garantieren eine hohe Qualität unserer Arbeit.