Stottern

Was ist Stottern?

Stottern ist eine Störung des Redeflusses.
Die Kernsymptomatik des Stotterns besteht aus Wiederholungen von Lauten oder Silben, Dehnungen und Blockierungen (d.h. Verharren in einer Artikulationsstellung).
Hinzu kommen zahlreiche Begleitsymptome. Dies sind häufig Reaktionen auf die Kernsymptome und entstehen aus einem Versuch das Stottern zu vermeiden.

Zu den Begleitsymptomen zählen:

  • Emotionale Veränderungen: Psychische Anspannung, Frustration, Sprechangst, Versagensangst, Selbstabwertung als Sprecher und der Sprechfähigkeit, meist hoher Leidensdruck und ein stark ausgeprägtes Störungsbewusstsein
  • Änderungen im Sozialverhalten: Vermeidung von Situationen, in denen gesprochen wird; Abbruch des Blickkontaktes
  • Auffälligkeiten auf sprachlicher Ebene: Vermeiden von gefürchteten Wörtern, Einschub von Floskeln um dieses Wort aufzuschieben, Satzabbrüche, Satzumstellungen
  • Änderungen im Sprechverhalten bzw. in der Sprechweise, wie z.B. flüstern, langsam sprechen, extrem schnell sprechen, Schweigen, Anstieg der Lautstärke / Tonhöhe, Veränderungen in der Atmung
  • Auffälligkeiten in der Motorik: Psychische Anspannung und Mitbewegungen (Grimassen, Kopf- und Armbewegungen)
  • Vegetative Symptome: Schwitzen, Erröten, Herzrasen, erhöhter Puls, nasse Hände
Geht das Stottern wieder weg?

Bei 60-80 % der Kinder verschwindet das Stottern auch ohne therapeutische Hilfe wieder. Mit zunehmender Störungsdauer, Stärke der Symptomatik und zunehmendem Störungsbewusstsein sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Stottern ohne Stotter-Therapie verschwindet.
Ab der Pubertät ist das „Verschwinden“ des Stotterns eher selten und man sollte sich auf ein Leben mit dem Stottern einstellen. Stottern verläuft auch im Erwachsenenalter sehr schwankend. Es können symptomfreie Phasen auftreten und es können Techniken erlernt werden, um mit den Stottersymptomen gut umzugehen. Eine Heilung ist jedoch nicht möglich.

Was ist der Unterschied zwischen „normalen“ Unflüssigkeiten beim Sprechen und Stottern?

Bei allen Sprechern treten Unflüssigkeiten (oft auch unbewusst) auf, wie z.B. Wiederholungen, Pausen, Satzkorrekturen, -abbrüche, Floskeln / Einschübe wie z.B. „ähm“.
Beim Stottern sind die Symptome jedoch ohne pragmatischen Nutzen und werden eingesetzt, um das Stottern zu umgehen. Sie gehen häufig mit einer Änderung des Sprechtempos und des Sprechrhythmus einher.
Im Rahmen der kindlichen Sprachentwicklung kommt es im Alter zwischen 2-5 Jahren häufiger zu Unflüssigkeiten. Um einen Satz zu bilden, muss das Kind viele noch nicht gefestigte Einzelleistungen, wie z.B. Wortfindung, Satzplanung, artikulatorische Planung und schließlich die motorische Realisation koordinieren. Vorschulkinder geraten daher öfter ins „Stolpern“ als Kinder mit einer abgeschlossenen Sprachentwicklung.
Stottern kann unabhängig vom Alter und Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens diagnostiziert werden.
Wir beraten Sie in unserer Gemeinschaftspraxis gern näher hinsichtlich Stottern und physiologischen Unflüssigkeiten.

Was ist die Ursache für das Stottern?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei einem Großteil stotternder Menschen eine genetische Veranlagung vorliegt. Ein klassisches Modell zur Entstehung von Stottern ist das Anforderungs- und Kapazitätenmodell nach Starkweather.
Die Kapazitäten des Kindes (emotionale Stabilität, Sprechmotorikkontrolle, kognitive und linguistische Fähigkeiten) werden gegenüber den Anforderungen der Umwelt und des Kindes selbst (hohe Erwartungen der Bezugspersonen, hohes Anspruchsniveau des Kindes, ungünstige Kommunikationsbedingungen) in Form einer Waage dargestellt. Kommt es über einen längeren Zeitraum zu einem Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Kapazitäten, wird die Entstehung des Stotterns begünstigt.

Therapie / Beratung

Basierend auf einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen sowie auf standardisierten und informellen Diagnostikverfahren beraten wir Sie hinsichtlich Therapiebedarf und -ansätzen und sprechen unsere Empfehlung zum therapeutischen Vorgehen aus.

Des Weiteren geben wir Ihnen wichtige Tipps mit auf den Weg, mit welchen Möglichkeiten Sie den Therapieverlauf positiv beeinflussen können.
Jede Therapie wird individuell an die Wünsche und Ziele des Patienten orientiert gestaltet.

Wir unterliegen – wie alle anderen Heilberufe – einer strengen Schweigepflicht.
Mit Ihrem Einverständnis arbeiten wir mit Ärzten, Kindergärten, Schulen, Pflegeheimen und Angehörigen zusammen. Ein ständiger Austausch ist Voraussetzung für eine gute Behandlung und schnelle Erfolge.

Auch Fallbesprechungen innerhalb unserer wöchentlichen Teamsitzung und fachliche Weiterbildungen im Rahmen von zahlreichen Fortbildungen garantieren eine hohe Qualität unserer Arbeit.